Priesterkolleg, Pfarrei, Pilgerseelsorge
Sieben-Kirchen-Wallfahrt 14.03.2015

Sieben-Kirchen-Wallfahrt 14.03.2015

„Was ist denn das (Verrücktes)?! Eine Wallfahrt quer durch Rom?! Und das dann tatsächlich auch noch während meines Aufenthalts hier in der Ewigen Stadt? Da muß ich mit!! …oder vielleicht doch nicht?! Wenn das nur nicht einen ganzen Tag meiner Zeit hier kosten würde, bei so vielen anderen Ideen die ich noch habe…“ So ungefähr ging es mir durch den Kopf, als ich während meines gut einwöchigen Rom-Aufenthaltes im Pilgerzentrum vorbeikam und im dort ausliegenden Gemeindebrief von Santa Maria dell’Anima auf die Ankündigung dieser Pilgertour stieß. Grundsätzlich gerne draußen unterwegs und auf Grund schon mehrmaliger Teilnahme an einer jährlichen Wallfahrt in Deutschland (für Detailverliebte: es handelt sich um die Fußwallfahrt Köln-Walldürn, jährlich nach Pfingsten innerhalb einer Woche 262km quer durch Deutschland) auch schon „Wallfahrts-erfahren“ war ich spontan fasziniert von dieser Idee. Als ich dann auf Nachfrage auch noch herausfand, daß es sich tatsächlich um eine Wallfahrt zu Fuß handelte und von der pastoralen Mitarbeiterin Christina Bonacker sowie dem Kuraten Dr. Peter Unkelbach beim Besuch im Gemeindebüro sehr nett empfangen wurde, war ich endgültig überzeugt und angemeldet.
In der dann noch verbleibenden Zeit bis zum Wallfahrtstag stieg das Lampenfieber dann aber doch. Wie würde es werden? Würde ich gut zurechtkommen?
So kam ich am Samstagmorgen also kurz vor 7:30 Uhr am fast menschenleeren Petersplatz an und fand dort am Obelisken ein kleines, jedoch altersmäßig bunt gemischtes Grüppchen vor. Wobei das Gefühl der „kleinen Gruppe“ wohl eher dem Verhältnis zur Größe des Petersplatzes geschuldet war, denn es stellte sich heraus, daß es doch ca. 40 Teilnehmer waren. Nach kurzer Begrüßung durch Kurat Unkelbach (dabei erfuhren wir Wallfahrer auch, daß es an diesem Tag thematisch um die Begegnung Jesu in den Sakramenten gehen würde) machten wir uns schon auf in den Petersdom, um am Altar Pius X gemeinsam Gottesdienst zu feiern – alleine das schon bewegend, denn wie oft erlebt man eine hl. Messe in St. Peter mit?
Nach einem schönen Gottesdienst mit sehr interessanten Gedanken zum Tagesevangelium ging es mit der Erteilung des Schlußsegens dann bei bestem Wetter auf Tour. Zwischenzeitlich noch eine Kaffeepause in Trastevere eingelegt, erreichten wir nach ca. zwei Stunden durch den römischen Stadtverkehr und einige interessante Gespräche später unsere zweiten Kirche: Sankt Paul vor den Mauern. Nach einer Andacht mit dem Thema „Taufe und Firmung“ an der Paulus-Statue im Mittelpunkt des Säulenvorhofs blieb auch noch kurz Zeit, die Papstkirche selbst anzuschauen. Es beeindruckten vor allem die “Weite“ der unbestuhlten Kirche (was man als typischer deutscher Kirchenbesucher eher selten sieht) mit ihrem glatten Marmorboden, der goldenen leuchtenden Kassettendecke sowie dem Band mit Medaillons aller bisherigen Päpste.
Hatten wir bislang eher südliche Richtungen eingeschlagen und die Mauern des alten Rom mit dem Erreichen von St. Paul hinter uns gelassen, ging es nun mehr nach Osten. Hier zeigte sich die jahrhunderte alte Tradition dieser Wallfahrten am Deutlichsten, denn der Name der uns nach St. Sebastianus führenden „Via delle Sette Chiese“ (Straße der sieben Kirchen) erinnerte immer wieder daran, daß wohl auch schon vor uns viele Pilger diesen Weg auf sich genommen hatten. Möglicherweise diesen Pilgern ebenso zupass wie uns kamen die immer wieder vorhandenen Trinkwassserbrunnen am Wegesrand – boten diese doch immer wieder Anlaß zu kurzer Rast, um etwas von dem köstlichen, kühlen Naß zu trinken…
Nach einigen weiteren Kilometern waren nun endlich die Katakomben und mit der Kirche des heiligen Sebastian über dem Grab des namensgebenden Märtyrers die dritte Statio erreicht. In dieser eher kleinen Kirche gab es unter dem Motto „Eucharistie“ erneut eine kurze Andacht und einen geistlichen Impuls.
Nur noch wenige Meter bis zur Mittagspause – das mag sicher der eine oder andere Pilger gedacht haben. Dieses kurze Wegstück jedoch bot nochmals eine Besonderheit: Einen Osterweg! Dieser zeigt in einigen Stationen die Begegnungen Jesu mit seinen Jüngern nach seiner Auferstehung, endend mit dem Pfingserlebnis. Auch das ein sehr interessanter Wegpunkt – ein spezieller Dank an dieser Stelle Christina Bonacker, die auf diese Dinge am Wegesrand aufmerksam machte.
Nun also war mit der Kallistus-Katakombe unser Mittagsziel erreicht, und wir konnten auf einer schönen Wiese rasten und uns mit Wasser, Saft und belegten Brötchen stärken. Der Himmel nun zwar bedeckt, so war die Aussicht doch ein Lichtblick: Wir konnten in der Ferne die Kuppel des Petersdoms uns somit unseren morgendlichen Startpunkt bewundern. Dies machte neben der Gemeinschaft die Pause doch gleich nochmal etwas schöner.
Jedoch geht auch die schönste Pause einmal zu Ende, und so ging es wieder auf Tour. Konnten wir anfangs noch Wiesen und ein quasi autofreies Sträßchen genießen, so änderte sich das doch bald: Die Via Appia Antica war erreicht, eine schon im Römerzeitalter erbaute Straße, die nicht zuletzt auf Grund ihrer Pflasterung zwar interessant wirkt – mit geringer Breite, deutlichem Verkehr, nicht vorhandenen Bürgersteigen sowie Mauern links und rechts jedoch nicht sehr schön zu begehen ist. Auch diese Straße lag jedoch irgendwann hinter uns, und wir erreichten stattdessen die beeindruckende römische Stadtmauer, an der entlang es über Nebenstraßen zur Lateranbasilika ging.
Auch in St. Johannes im Lateran, als Bischofskirche des Bistums Rom „Haupt und Mutter aller Kirchen“, bot sich Gelegenheit zur Andacht, diesmal mit dem Thema „Buße und Versöhnung“ und erneut sehr interessanten Gedanken seitens Kurat Unkelbach. Nach Andacht und einigen Minuten Möglichkeit, sich an dieser prächtigen Papstbasilika zu erfreuen, begaben wir uns erneut auf den Weg – diesmal jedoch nur für wenige Minuten, bevor wir nach weniger als 500m bereits Heiliges Kreuz in Jerusalem erreichten, die nächste Pilgerkirche.
Die mittlerweile doch etwas müden Füße spürend, waren wir froh, auch hier wieder halten zu können, und nahmen das Angebot gerne an, uns auf den Eingangsstufen dieser Kirche niederlassen zu können, eine Andacht zum Thema „Krankensalbung“ zu beten und dabei ein Tor mit bunt leuchtenden Steinen bewundern konnten.
Auf Grund der bereits fortgeschrittenen Zeit blieb leider nur kurz Zeit für einen Besuch der Kirche selbst sowie der Reliquienkapelle, bevor es erneut an den Weitermarsch ging. Diese Etappe zeigte uns die nicht ganz so schönen Seiten Roms. Eher triste Wohnblöcke, bröckelnde Gehwegkanten, rostende Säulen für die Oberleitung der Straßenbahn sowie Autoverkehr nicht nur ebenerdig, sondern auch auf mehrstöckig über Stelzen geführten Straßen bestimmten das Bild. Dies hinter uns lassend, erreichten wir unsere vorletzte Pilgerstation: St. Laurentius.
Auf ging’s nun zur letzten Etappe mit Ziel S. Maria Maggiore. Die müden Füße nun doch schon deutlich spürend, legten wir eine letzte Rast und Kaffeepause ein. Wenn nur manchem Wallfahrtsteilnehmer das Wieder-Aufstehen nicht so schwer gefallen wäre…
So nochmal gestärkt, war irgendwann die gesamte Wallfahrergruppe wieder auf den Beinen, und mittlerweile doch recht weit auseinandergezogen ging es weiter in Richtung Hauptbahnhof. Beim unterqueren der Gleise fielen insbesondere die Papp-Behausungen von dort hausenden Obdachlosen ins Auge – was muß jemandem widerfahren sein, der lauten Straßen- und Schienenlärm in Kauf nimmt, nur um ein wind- und regengeschütztes Fleckchen für sich zu haben? Mit diesen und weiteren Gedanken sowie immer aufpassend, daß nicht doch einige Gruppenmitglieder verlorengehen, kam kurz darauf ein nächster Kirchturm in Sicht: Santa Maria Maggiore war erreicht und 24km Strecke quer durch Rom geschafft. Vor dieser päpstlichen Basilika erhielten wir nun noch den Segen durch Kurat Unkelbach, bevor dieser erlebnisreiche Wallfahrtstag zu Ende ging und nach vielen Verabschiedungen jeder seiner Wege ging – innerhalb Roms oder wie ich in seine Heimatregionen.

So war dieser Wallfahrtstag einer der schönsten und intensivsten in einer Reihe von wahrlich nicht reizloser Rom-Tage und wurde zu einem krönenden Abschluß dieser Reise in die Ewige Stadt. Sehr gerne wieder!

Michael Walz, Pilger aus Nürnberg