Priesterkolleg, Pfarrei, Pilgerseelsorge
Sakristei

Sakristei

Vielen deutschsprachigen Besuchern Roms ist die deutsche Kirche S. Maria dell’Anima, unweit der Piazza Navona im Herzen Roms gelegen, ein Begriff. Ist sie doch seit dem 14. Jahrhundert, wohl unter gewandelter Gestalt, die geistliche Heimat aller Deutschsprachigen in Rom, ob sie nun für kürzer oder länger in der Stadt leben oder auch als Pilger und Besucher hier her kommen. Wer die Kirche, die seit kurzem auch täglich vom Haupteingang in der Via S. Maria dell’Anima her frei zugänglich ist, besucht, wird unschwer feststellen, dass hier seit Jahrhunderten einer der Hauptknotenpunkte der deutschen Gemeinde in Rom zu finden ist.

Sakristei

Sakristei

Den meisten Besuchern verborgen bleibt allerdings die Sakristei der Kirche, ein Werk aus dem 17. Jahrhundert, das mit Fug und Recht als ein Juwel im Ensemble der Animakirche und des angrenzenden Priesterkollegs bezeichnet werden darf. Nachdem die alte Sakristei den Anforderungen nicht mehr entsprach, beriet man bereits 1618 über einen Neubau, der zugleich als nationaler Versammlungsort und Sitz der Animaverwaltung dienen sollte. Jedoch erst 1635 konnten die Rohbauarbeiten durchgeführt werden. Da sich das Bauvorhaben als sehr kostspielig erwies, kamen die Bauarbeiten nur sehr langsam voran. Am 17. August 1643 tagte der Verwaltungsrat der „Anima“ zum ersten mal in der noch nicht ganz fertigen Sakristei. Endlich war sie 1644 soweit fertig, dass sie ihrem eigentlichen Zwecke dienen konnte. Da sie auch der Repräsentation dienen sollte, erhielt sie eine äußerst prächtige Ausgestaltung, die vor allem in den vergoldeten Stuckaturen deutlich wird.

Sakristei

Sakristei

Bilder mit Szenen aus dem Marienleben (beginnend mit der Geburt Mariens von Gilles Hallet, über Mariä Vermählung, Mariä Verkündigung – beide von Giovanni Maria Morandi, Mariä Heimsuchung von Giovanni Bonatti, bis hin zur Aufnahme Mariens in den Himmel im Deckenfresko, ein Werk des Giovanni Francesco Romanelli), schmücken die Sakristei. Daneben ziert ein weiterer, aus 20 Symbolen bestehender marianischer Zyklus, diesen Raum, der in der Fülle der Stuckarbeiten oftmals übersehen wird und die Reinheit der jungfräulichen Mutter Maria verherrlicht. Schließlich erscheint in den Ecken des Hauptgesims der kaiserliche Doppeladler, der die besondere Verbindung der Stiftung mit dem römisch-deutschen Kaiser zum Ausdruck bringt.

Als Altarbild für den Altar in der Sakristei diente von 1682 – 1750 das heutige Hochaltarbild von Giulio Romano, das ursprünglich für die Fuggerkapelle in der Kirche S. Maria dell’Anima geschaffen wurde. Heute ist es durch das Gemälde „Die heilige Anna unterweist die Jungfrau Maria“ ersetzt, das bisher Theodor van Loon zugeschrieben wurde. Die Restaurierung eben dieses Bildes bildete im Jahr 2005 den ersten Schritt für die längst fällige Renovierung der Sakristei der „Anima“. Im Zuge der Restaurierungsarbeiten kam es auch zu einer Diskussion über die Urheberschaft des Bildes, das von manchen als eine sehr frühe Kopie des Werkes van Loons betrachtet wird und möglicherweise von Gilles Hallet (1620 – 1694) gefertigt wurde. Darüber sind sicherlich noch weitere Diskussionen notwendig und genauere Recherchen durchzuführen.

Gregorius Clemens

Gregorius Clemens

Das Bildprogramm der Sakristei ist von zwei für die „Anima“ wesentlichen Themen beherrscht: Maria und die Gegenwart der „Deutschen Nation“ in Rom. Es sind die Päpste aus dem deutschen Sprachraum, die diese Gegenwart der „Deutschen Nation“ versinnbildlichen: Gregor V., Clemens II., Damasus II., Leo IX., Viktor II. und schließlich Hadrian VI., der auch seine letzte Ruhestätte in der Kirche von S. Maria dell’Anima fand.