Priesterkolleg, Pfarrei, Pilgerseelsorge

85-geb_kard_kasper-027Voll Dankbarkeit blickte Kardinal Walter Kasper in Santa Maria dell’Anima auf seine 85 Lebensjahre zurück. „Der Gott Jesu Christi“, so der Titel eines seiner Hauptwerke, hat Kaspers Namen in seine Hand geschrieben und ihn in seinen Händen gehalten, was er in seinem Lebensalter nur staunend und zutiefst dankbar annehmen kann.

Dabei begleiteten ihn in der großen Danksagung der Kirche, der Eucharistiefeier, viele Wegbegleiter aus der Familie, aus seiner Heimat in der Diözese Rottenburg-Stuttgart, aus dem akademischen Umfeld und seiner Verantwortung als Sekretär und Präsident des päpstlichen Einheitsrates in Rom. Die Kardinäle und (Erz-)Bischöfe, zahlreiche Priester und Gläubige hörten ermutigende Worte in der Predigt des früheren „Ökumene-Ministers“, der die Beziehung zu seiner deutschen Heimat nicht verloren hat, aber auch seine Besorgnis über manche Erfahrungen äußerte. 85-geb_kard_kasper-007Im Rückblick auf die Auseinandersetzungen in der Geschichte des christlichen Glaubens diagnostizierte er: „Die Häresie unserer Zeit ist die Angst!“ Unter einer Darstellung der göttlichen Tugend der Hoffnung in der deutschsprachigen Pilger- und Pfarrkirche predigend entgegnete er den Pessimisten der kirchlichen Entwicklung: „Die Zwillingsschwester der Hoffnung ist die Freude!“ Die Nachfolge Jesu liege ausschließlich in der Suche nach Gemeinschaft im dreieinigen Gott und er ermunterte die Kirche seiner Heimat, besonders auch die jungen Priester, im Vertrauen auf Gott aufzubrechen und die Frohe Botschaft zu verkündigen. Wenn er nun langsam an sein eigenes „Abschlussexamen“ vor Gott denke, hielt der Kardinal frohgemut fest, werden ihm weder akademische Grade noch kirchliche Würden helfen, allerdings „etwas Besseres als Christsein kann es nicht geben“.

Anschließend fand auf Wunsch des Jubilars eine Festakademie statt, die die Deutsche Botschaft beim Heiligen Stuhl vorbereitet hatte. Nach der herzlichen Begrüßung durch die Frau Botschafterin, Annette Schavan, dankte Kardinalstaatssekretär Parolin dem Jubilar für seine Dienste für die Kirche. Auch ein paar kurze deutsche Worte ließ der Alt-Animale sich zur Freude der deutschsprachigen Zuhörer nicht nehmen, bevor Bischof Johan Bonny seinen Festvortrag begann. Ausgehend von seinen Erfahrungen als früherer Mitarbeit im päpstlichen Einheitsrat skizzierte der heutige Bischof von Antwerpen die christologischen Fragen des 4. und 5. Jahrhunderts und die Herausforderungen aufgrund der verschiedenen Sprachfamilien und Denkhorizonte in der damaligen Zeit. 85-geb_kard_kasper-005Die Leidenschaft der großen Gestalten der frühen Christenheit, für die eigene Überzeugung einzustehen, und sowohl mit philosophisch genauer als auch mit lebensweltnaher Sprache dies auszudrücken, erkannte er wieder im Schaffen seines früheren Chefs. Dergleichen lobte anschließend auch der frühere evangelisch-lutherische Landesbischof Christian Krause. Als damaliger Präsident des Lutherischen Weltbundes blickte er auf das Wachsen der „Gemeinsamen Erklärung der Rechtfertigungslehre“ zurück und zollte Kasper Respekt, Anerkennung und Dankbarkeit für seinen Einsatz und das Ringen um den differenzierten Konsens, das auch mit der Unterschrift des Dokumentes am 31.10.1999 nicht endete. Die Überwindung der konfessionellen Spannungen, in denen beide noch aufgewachsen waren, zeigte sich auch in der herzlichen Umarmung der beiden nach dem Vortrag. Abschließend warf Professor Dr. Eberhard Schockenhoff, der sich beim früheren Inhabers des Tübinger Lehrstuhl für Dogmatik habilitiert hatte, den Blick auf die theologische Lehrtradition, in der Kardinal Kasper groß geworden ist. Nicht nur die Zusammenarbeit an der Theologischen Fakultät in Münster mit den bekannten Namen Joseph Ratzinger, Hans Küng, Johann Baptist Metz, Joachim Gnilka und anderen hatte ihn geprägt, sondern bereits seine theologische Heimat in Tübingen. So schlug Kasper mit seiner Dissertation über Johann Adam Möhler und seinen Einfluss auf die römische Schule bereits damals eine Brücke zu seinem späteren Wirkungsort. Der Professor für Moraltheologie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg ließ es sich nicht nehmen, die Kerngedanken der Tübinger Schule in der Stadt der Päpste vorzutragen. Schockenhoff schloss nicht nur mit einem Dank an seinen Lehrmeister, sondern auch mit einem Ausblick auf die Auseinandersetzungen um das Schreiben Amoris laetitia von Papst Franziskus. Ganz im Sinne des gewürdigten Kardinals verwies er darauf, Brücken zu suchen und sich nicht in theologischen Pauschalurteilen wechselseitig abzuwerten.

Bevor Rektor Dr. Brandmayr als Hausherr die abschließenden Worte vor dem Büffet sprach und die Gratulanten die Möglichkeit hatten, dem Jubilar persönlich zu gratulieren, danke Kasper seinen zahlreichen Wegbegleitern, würdigte auch manch konfliktträchtige Begegnung und sprach die Hoffnung aus, dass der Glaube in der Gesellschaft weiterhin wachse. Gerade die anwesenden Studierenden ermutigte er zur Identifikation mit der Kirche und der vertieften Begegnung mit dem lebendigen Gott. Gaudium et spes sind nicht nur ein Dokument des Konzils, wie er bereits am Ende seiner Predigt in der Messe festhielt, sondern die Antwort auf ein „Bonjour tristesse“ in der heutigen Gesellschaft. Dies ließ sich auch beim abschließenden Büffet und den freundlichen Worten von erleben und vertiefen.

Mehr Fotos kann man hier sehen: Freude aus dem Glauben.

Philipp Förter