Priesterkolleg, Pfarrei, Pilgerseelsorge

IMG_8823Den ersten Kollegiaten traf ich schon im Vorbeigehen an unserer kleinen Kaffeemaschine und bis zur Busabfahrt sollten es noch einige schlaftrunkene Gesichter mehr sein, die sich gegen 6.30 Uhr auf den Weg nach Arezzo und Sansepolcro machten: Die erweiterte Hausgemeinschaft der Anima und natürlich auch unsere Schwesterngemeinschaft. Die lange Strecke bis in die Toskana forderte den Tribut eines frühen Aufbruchs und verschaffte uns einen kurzen Stopp zum Frühstücken in einem Autogrill.

Die Planungen des Vizerektors erwiesen sich als sehr weitsichtig, so dass wir rechtzeitig in Arezzo ankamen, um uns als Gemeinschaft in der Heiligen Messe nunmehr geistlich zu stärken. Bischof Tebartz-van Elst verwies auf den Gedenktag des hl. Johannes Paul II. und verband dabei die noch spürbare Diskussion um das Denkmal für den kanonisierten Heiligen auf dem Vorplatz des römischen Hauptbahnhofes mit persönlichen Eindrücken, die der „Papst aus Polen“ bei seiner Wahl und während seines Pontifikats bei vielen der Anwesenden ausgelöst hatte. Er ermunterte die Priester und Schwestern voranzugehen, damit die Menschen eine gelingende Reise zum Ziel des Lebens haben und im Bild der Skulptur auch den Menschen, die nicht nur am Bahnhofsvorplatz oft gehetzt unterwegs sind, eine Beheimatung „unter dem eigenen Mantel“ zu gewähren.

Nach dem feierlichen Gottesdienst galt es, unter fachkundiger Begleitung die Kathedrale und einige historische Sehenswürdigkeiten Arezzos aufzusuchen. Vor uns fächerte sich eine reichhaltige Geschichte auf, die von den Anfängen der Siedlung unter den Etruskern und der Errichtung des Bistums unter dem hl. Donatus über die wechselvolle mittelalterliche Geschichte innerhalb der innertoskanischen Auseinandersetzungen bis in die Moderne reichte. Schnell gab sich auch die Piazza Grande als Handlungsort von Roberto Benignis „Das Leben ist schön“ („La Vita è Bella“) zu erkennen. Ein Höhepunkt unseres Kollegsausflugs war schließlich der Besuch beim hiesigen Freskenzyklus „Die Legende vom wahren Kreuz“. Von Piero della Francesca für die Basilika San Francesco gestaltet, eröffnete sich in vollendeter Bildsprache die legendarische Wirkung des Heiligen Kreuzes und für uns das Staunen über Kunstfertigkeit, Ästhetik und geistliche Tiefe der dargestellten Bildzitate aus der Legenda Aurea.

Natürlich brauchten wir nach diesem anspruchsvollen Programm etwas Erholung und Stärkung und fanden sie bei einem reichhaltigen und deliziösen Essen mitten in der schönen Landschaft der Toskana. Der Blick schweifte immer wieder von den reichgedeckten Tellern über die Hügelkuppen und bot der Geselligkeit und Vertiefung unserer Gemeinschaft einen höchst ansprechenden Rahmen.

Wir hatten allerdings noch den Abstecher nach Sansepolcro im Blick, um u.a. ein weiteres Werk des uns bereits begegneten Künstlers der Frührenaissance zu bestaunen. Piero della Francescas Darstellung der „Auferstehung Christi“ ist eine sehr bekannte Darstellung des Ostergeschehens mit zahlreichen Details, die die Gemeinschaft trotz der vorhandenen baulichen Einschränkungen in den Bann zog.

Mit der Feier der Vesper in einer Seitenkapelle im Kreuzgang des nahen St. Johannes Doms hatte für uns gemeinsam das kleine Osterfest des Sonntags begonnen und der Ausflug kam dort nun zu seinem Abschluss. Was von Piero della Francesca verbildlicht wurde, vertieften wir gemeinsam im Gebet. Die Ansprache von Don Antoine Bodar stellte uns dabei die Gedanken vom ehrlichen Beten vor Augen, das eben Gott zu Wort kommen lässt und ihn in den Mittelpunkt stellt. Er hat sich klein gemacht und doch an Ostern die Ketten gesprengt, dass wir ihm folgen können. So schloss sich auch der Kreis des langen Tages in der Gemeinschaft, bevor wir am späten Abend wieder sicher in Rom ankamen.

Philipp Förter

* * *

Mehr Fotos kann man hier sehen: Ausflug nach Arezzo und Sansepolcro (22 Oktober 2016)

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